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Samstag, 16. Dezember 2017, 19:30

Hallo Elisabeth,

Michael Reynolds (Gründer des World Parrot Trust) hat vor vielen Jahren schon sehr aufschlußreiche Worte betreffend der Papageienhaltung gefunden:

"Das Wohlergehen als Heimtiere gehaltener Papageien und einige Hinweise zur Rettung von Papageien
Von Michael Reynolds

Aus dem Englischen übersetzt von Franziska Vogel

Die Auswilderung von Papageien in deren ursprüngliche Habitate, die Regenwaldgebiete, stößt zunehmend auf Probleme, weil die Habitate in ihrer ursprünglichen Ausdehnung kaum noch vorhanden sind, Rodungen die Wälder zerstören und Wilderer unter oft grausamen Begleitumständen die Bestände dezimieren und die gefangenen Tiere in alle Welt verschifft werden. Sobald im Zusammenhang mit Papageien monetäre Aspekte (Geld) eine Rolle spielen, werden stets Kompromisse und Zugeständnisse gemacht und die Papageien werden die Verlierer sein - und dies unabhängig davon, wie ambitioniert und wohlmeinend die Organisation, wie prominent die "Sammler", wie "besorgt" die Züchter sein mögen.

Warum züchten wir sie? Um die Art zu erhalten? Wozu? Um mehr Nachzuchttiere zu produzieren , die dann in mehr Zoohandlungen, mehr Sammlungen, oder Privathaushalten, in denen die Eigner sie den ganzen Tag in einem, meist zu kleinen, Käfig mit der hinlänglich bekannten Schale Körnerfutter halten, bevor sie ihrer überdrüssig werden und sie in einer dunklen Garage (sehr üblich) in den ‚Ruhestand‘ zu verfrachten, oder sie dem nächsten „Papageien-Fan“ zu verkaufen. Sollten Sie Zweifel an dieser Darstellung haben, lesen Sie die Inserate unter der Sparte „Vögel“ oder „Suche, verkaufe“ in den entsprechenden Seiten Ihrer Zeitung, oder besuchen Sie Auktionen mit unerwünschten Vögeln, die mit ähnlich viel Mitgefühl wie für einen Gebrauchtwagen verkauft werden.

Wir möchten aus den Papageien "gefiederte Mitmenschen" machen, die unsere Stimmen nachahmen. Wir berauben sie aller „Papageienhaftigkeit“, wenn wir ihnen die Möglichkeit des Fliegens vorenthalten und sie strafen, wenn sie schreien, beißen oder Schmutz und Unordnung verursachen. Wahrscheinlich wird kaum eine andere Kreatur so der natürlichen Elemente ihrer Umgebung beraubt, wie ein Papagei in Gefangenschaft.

Papageien hätten niemals in Gefangenschaft (unter Menschenobhut) gehaltene Heimtiere werden sollen! Kakadus, die derart konstante Zuneigung benötigen, reagieren extrem empfindlich auf Stress und Veränderungen und sind daher so oft gerupft und verstümmelt. Federrupfen und Selbstverstümmelung sind Zustände, die in der Wildnis eigentlich unbekannt sind. Diese Zustände gibt es nur in Menschenobhut.

Ein bekannter amerikanischer Vogel-Tierarzt hat gesagt, dass es ca 176.000 unerwünschte Vögel gäbe – wahrscheinlich eine sehr vorsichtige Schätzung. Zoos werden überhäuft mit Angeboten von Papageien, deren Eigner ihrer überdrüssig geworden sind, weil sich beispielsweise an ihren Lebensumständen etwas geändert hat. In Holland gibt es eine Papageien-Aufnahmestation, in der die vielen geschädigten Vögel untergebracht sind.. Warum züchten wir noch mehr?


Fortsetzung im nachfolgenden Posting ...
Ist eine Sache einmal verdorben, so nutzt es nichts mehr, im Nachhinein mit "Liebe" und "Pflicht" herumzufuchteln. (lieh-tzu)
Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will. (Albert Schweitzer)

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Samstag, 16. Dezember 2017, 19:50

Fortsetzung ...

Wir sollten lieber für die Vögel Sorge tragen, die bereits da sind. D. h.: Wiedereingliederung der schlimmsten Fälle und eine bessere und liebevollere Betreuung der vorhandenen Vögel! Ein durchschnittlicher Papagei muss 15 - 20 Mal in seinem Leben ein neues Zuhause finden. Stellen Sie sich den Stress jedes einzelnen Vogels bei jedem Wechsel vor. Diebstahl, der heutzutage ja alltäglich ist, ist unerhört traumatisch für die Vögel und könnte oft vermieden werden. Grosse "Freiflug"-Volieren, die ordentlich gegen (menschliche und tierische) Räuber gesichert sind, bieten wahrscheinlich die einzig logische Lösung für Papageien in "Gefangenschaft" und im Besitz einfühlsamer Eigner. Käfige, welcher Größe auch immer, sind oft nicht mehr als einsame Gefängnisse.

Ich fragte einmal einen ausgewiesenen, gut beleumundeten Züchter: "Machen Sie sich niemals Sorgen darüber, was mit Ihren schönen Papageien-Babys am anderen Ende der Strasse passiert, sobald sie einmal verkauft sind?" Seine Antwort lautete: "Daran können Sie nicht mehr denken, wenn Sie im Geschäft sind." Dies ist für mich und zumindest für die Papageien inakzeptabel. Ich vermute, dass ich darum niemals Papageien verkaufen oder mit ihnen Geld machen können würde. Wenn ich nicht mehr für sie sorgen könnte, würde ich ihnen ein bestmögliches neues Heim suchen, aber verkaufen würde ich sie eben so wenig wie meine eigenen Kinder.

Vergessen wir niemals die tatsächliche Lebensqualität, die wir Papageien im glorreichen Namen von "Tierschutz", "Rettung gefährdeter Arten" etc. bieten - alles noble Phrasen. Befassen wir uns mit der Realität jener Papageien, die diesen Planeten bereits mit uns teilen!

Ich bete inbrünstig um eine freundlichere Zukunft für alle Papageien und speziell in ihrem Interesse um eine Erleuchtung der menschlichen Rasse, von der sie in allem abhängig sind. Wir fangen sie ein, also schulden wir ihnen das Beste von uns selbst."


Julie Hamilton, Direktor, New Life Parrot Rescue Service, Huntingdon.
"Ich möchte Sie gerne um Ihre Aufmerksamkeit bitten und mitteilen, dass wir unseren Service, neue Heime für Papageien zu suchen, eingestellt haben. Tatsache ist, dass es nicht funktioniert! Wir haben drei Neuplatzierungen durchgeführt und die Hälfte unserer Vögel von ihren Adoptiv-Eltern zurück erhalten: Papageien brauchen Stabilität. Eine solche Aktion fortzusetzen, hieße diesen Papageien grobes Unrecht anzutun. Erziehung auf breiter Basis ist der einzige nach vorwärts weisende Weg und betrifft auch sämtliche Organisationen, Auffangstationen, Fürsorge-Stiftungen, Rettungszentren und Dienste zur Auffindung neuer Heime, die alle als Vorbild dienen. Dies gilt auch für Vogelzeitschriften, die sich etwas bewusster mit dem Inhalt ihrer veröffentlichten Artikel auseinandersetzen sollten.""



Ist eine Sache einmal verdorben, so nutzt es nichts mehr, im Nachhinein mit "Liebe" und "Pflicht" herumzufuchteln. (lieh-tzu)
Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will. (Albert Schweitzer)