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alfriedro

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Dienstag, 6. Dezember 2016, 13:11

Verbesserte Haltungsstandards

Hallo Papageienfreunde,

auf einer gemeinsamen Tagung von der schweizerischen EXOTIS und der deutschen ESTRILDA im Zoo Basel kam mir die Ehre zu, einen Vortrag über meine Vogelhaltung zu halten. Dabei kam die Historie meiner Vogelhaltung inklusive aller unsachgemäßen Handhabungen der Papageien etc. zur Sprache, die ich auch entsprechend benannt habe. Schließlich kam es zu der Essenz, die ich aus der 40jährigen Erfahrung gewonnen habe. Ich plädierte für Haltungsstandards, die weit über das übliche Maß hinausgehen, allerdings ohne dogmatische Forderung zu deren Umsetzung. Das Maß meiner Haltung wurde dabei an die ganz kleinen, die Prachtfinken angepasst. Es ging auch um die Vergesellschaftung von verschiedenen Vogelarten. Nachzulesen wird der Vortrag inhaltlich im Fachmagazin der EXOTIS, "Gefiederter Freund", der von Lars Lepperhoff herausgegeben wird. Ich bemängelte auch, dass ausgerechnet bei den besonders sensiblen und intelligenten Papageien die Volierengestaltung besonders lieblos, kahl und ungestaltet sind. An manchen Beispielen machte ich deutlich, dass es durchaus möglich ist, begrünte Papageienvolieren zu zeigen, was sowohl dem Wesen der Papageien entspricht wie auch dem Zuschauer im Zoo besser gefallen würde.

Ich kam mit der Kuratorin des Zoos Basel, Dr. F. v. Houwald, ins Gespräch, die u.A. die Avifaunistik in ihrer Verantwortung hat. Ich gab ihr die Erfahrungswerte, die ich auch hier schon einmal erörtert hatte:

Je 10 cm Vogel das 50 - 100fache der Länge für die Flugstrecke.
Je 10 g Vogel 1,5 qm Grundfläche.
Naturboden und üppige Bepflanzung sind bei diesen Verhältniszahlen möglich und anstrebenswert. Keimdruck und Pflegeaufwand würden sich stark vermindern. Als persönliches Statement merkte ich an, dass diese Haltungsbedingungen fast allen Vögeln zugestanden werden, nur nicht ausgerechnet den Besten, den Papageien.

Die Kuratorin wird diese Angaben im Zoo diskutieren und in Sachen Pflanzenarten weiter mit mir Kontakt aufnehmen.

Im Anschluss kam ein Bericht eines Spezialisten auf dem Gebiet Amazonen. Bei allem Erfolg derer Vermehrung kam sogleich bei mir die Abscheu über die zuvor von mir kritisierte Papageienhaltung auf. Zu klein, kahl, ohne Reize etc. Wenn ich diese Haltung, die auf Reproduktion ausgerichtet ist, mit der meinigen vergleiche, so ist es mir lieber, weniger Nachwuchs zu erhalten, dafür aber Tiere zu pflegen, die nahezu alle ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse ausleben können. Der Unterschied zwischen Tieren, die in einem natürlichen oder sterilen Umfeld aufwachsen, ist groß. Schönes Gefieder ist nicht alles. Wache Sinne, Beweglichkeit, Sozialverhalten und Intelligenz sind mindestens genauso wichtig.

Wenn das nun meine Mission wird, ...

Kritische Frage am Schluss des Vortrags: "Darf man jetzt nicht mehr in Käfigen halten?" Die Antwort darauf sollte sich jeder ernsthafte Vogelfreund selber geben.

aglaia

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2

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 17:32

Hallo, Alfriedo,

es ist natürlich lobenswert, auf die katastrophalen Haltungsbedingungen hinzuweisen und konstruktive Ideen auszusprechen; und ich hoffe natürlich sehr, dass der Vortrag Verbesserungen schaffen wird. (!)

Dennoch:

das Papageienschutz-Centrum Bremen e. V. lehnt j e d e Papageien - H a l t u n g grundsätzlich ab. Es sind Wildtiere, die in ihre Heimatländer gehören und nicht zu Menschen !!!

Ein generelles Zucht- und Haltungsverbot wäre die einzige Möglichkeit, den verdammten Egoismus Papageien besitzen zu wollen zu stoppen !!!
Ausgenommen sind natürlich die ernsthaften Tierschützer, die sich verantwortungsbewusst um die vorhandenen alten, kranken, "weggeschubsten" ... Vögel kümmern !

Angeblich befinden sich in Deutschland über 6Millionen Krummschnäbel !!!
Wir hatten immer vor, viel viel mehr noch politisch tätig zu sein, aber u.a. unser großes Fluggehe, die viele Verwaltungsarbeit und die fast täglichen Hilfsanfragen (Telefon/mails), die teilweise auch aus dem Ausland kommen, kosten irre viel Zeit und Einsatz.

Vögel einsperren, Tiere essen... Tiere quälen... "Weh dem Menschen, wenn nur ein einziges Tier im Weltgericht sitzt." (Christian Morgenstern, 1871-1914)

Elisabeth (Willich-Braune)

3

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 18:08

Ein generelles Zucht- und Haltungsverbot wäre die einzige Möglichkeit, den verdammten Egoismus Papageien besitzen zu wollen zu stoppen !!!
(...)

Mein Wunsch:
Ein Import- und Nachzuchtverbot und die Papageienhaltung wäre ein "Auslaufmodell"!

Gruß
Heidrun
Ist eine Sache einmal verdorben, so nutzt es nichts mehr, im Nachhinein mit "Liebe" und "Pflicht" herumzufuchteln. (lieh-tzu)
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alfriedro

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4

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 20:25

Bevor ich dem zustimme, bin ich für ein generelles Menschenverbot

aglaia

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5

Mittwoch, 7. Dezember 2016, 21:49

So "schleudert" der Herr Alfriedro ein kleines Sätzchen dahin... .


Ja, Heidrun, ich kenne Deine Haltung und teile absolut Deine Ansicht ! Leider können wir nicht noch aktiver politisch werden. Hoffentlich gibt es junge Menschen, die loslegen !!!!!!

LG, Elisabeth

6

Donnerstag, 8. Dezember 2016, 09:52

Elisabeth, ich hatte es schon geahnt, wie Alex auf unsere Einstellung reagieren würde. Ich gehe davon aus, daß er noch nicht viel Elend gesehen haben wird. Er hatte und hat wahrscheinlich längst nicht so tief in das Haltungselend sehen können wie wir (obwohl er mit 100 %iger Sicherheit das Gegenteil behaupten wird). Trotzdem ... seine Äußerung läßt vermuten, daß er ausschließlich seine Einstellung gelten läßt. Und mal noch so nebenbei: Seine Vorstellung von einer Papageienhaltung können ganz, ganz wenige Halter umsetzen - sie (seine Vorstellung) gleicht einem Märchen.

Hiermit belasse ich es.

Gruß
Heidrun


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7

Donnerstag, 8. Dezember 2016, 13:08

Eine aktuelle (gerade gelesene) Nachricht zum Thema "Mensch" muß ich allerdings noch loswerden:

"(...)
Wir erleben derzeit das größte globale Artensterben seit dem Ende der Dinosaurier - und der Mensch ist die Ursache", sagte der Vorstand der Naturschutzorganisation WWF Deutschland, Eberhard Brandes. (...)"

Quelle


Gruß
Heidrun
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aglaia

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8

Freitag, 9. Dezember 2016, 21:02

Artensterben...

..... andauernde Tierquälereien immerzu und überall: für den menschlichen Egoismus / den Profit / zur "Gaudi" ... !!!!!
Mails mit entsetzlichsten Fotos / Videos aus aller Welt erreichen das Papageienschutz-Cenrum Bremen e. V. fast täglich.

Dazu erlaubt sich "Mensch": Neid, Streiterein, Misshandlungen, Betrügereien, Kriege... ... !

Wie soll/kann man bloß damit klarkommen ????????????????


Meine Einstellung, die meines Ehemannes und die unseres kleinen Tierpfleger-Teams habe ich in der PD öfter mal erwähnt. Deshalb hier nur Sätze kurz:

" Was tun wir Euch Tieren bloß an !!!!!!!!!!!! "

"Die Welt ist kein Machwerk und die Tiere kein Fabrikat zu unserem Gebrauch." (Schopenhauer 1788-1860)

"Die Tiere empfinden wie der Mensch Freude und Schmerz, Glück und Unglück; sie werden durch dieselben Gemütsbewegungen betroffen wie wir."
(Charles Darwin)
... und sie können sich gegen die unglaublichen Boshaftigkeiten von Menschen weder wehren noch dürfen sie ihr Leben so leben, wie sie es bräuchten. (E. W.-B.)

Und für die gläubigen Menschen abschließend: "Gott schuf die Menschen und die Tiere. Er hat uns die Tiere anvertraut, nicht ausgeliefert.!" (...)

Elisabeth (W.-B.)

alfriedro

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9

Dienstag, 13. Dezember 2016, 15:02

Von dem, was Ihr sagt, streite ich gar nichts ab. Aber Ihr habt einen einseitigen "Tunnelblick". Ihr wollt auch nicht verstehen, was ich schon sehr ausführlich geschrieben habe. Die Zitate der Herren Philosophen sind so aktuell wie eh und je. Dennoch kann ein Schatten dort nur hinfallen, wenn es auch Licht gibt.

Wer die Menschen kennt, kennt auch ihre Abgründe. Gräueltaten an Tieren werden ständig und überall auf der Welt gemacht. Und nicht nur an Tieren, sondern an der Natur insgesamt und im ganz besonderem Maße vor allem an Menschen. Sollte man das Kinderkriegen verbieten, weil es Leute gibt, die ihr eigenes Kind für Jahrzehnte in einen Kellerraum einschließen und fast täglich sexuell missbrauchen? Tagtäglich werden Kinder misshandelt, missachtet und umgebracht. Von ihren Eltern, Verwandten und sonstigen im Umfeld. Selbst in Schulen wird so manche Kinderseele mit Füßen getreten. Und es gibt Kinder, die glücklich sind und kluge Menschen werden. Am Straßenrand stehen gescheiterte Existenzen. Habt ihr mit denen nur so einen Funken Mitleid wie mit dem Federvieh?

Ihr beißt Euch dabei an solchen Papageienhaltern fest, die tatsächlich Scheußliches absichtlich oder unabsichtlich tun und projiziert Eure Sicht auf alle. Sie sind vielleicht enttäuscht oder überfordert. Genau daran mache ich meinen Ansatz fest. Die Haltungsstandards müssen überarbeitet werden, die Vorstellungen vom Papagei und irgendwelche Klischees gehören abgeschafft. Nicht aber die Papageienhaltung. Wenn es möglich ist Fasane, Ibise, Tukane, Kraniche, Gänse, Enten, Greifvögel, Eulen und so weiter und so fort artgerecht oder besser wesensgemäß zu halten, so kann man das auch mit Papageien. Sie leiden nicht darunter, wenn der Halter für die Erfüllung der Bedürfnisse sorgt und die heißen Beschäftigung und soziale Kontakte. Wenn man Papageienhaltung abschaffen will, so muss man Tierhaltung insgesamt abschaffen. Das ist unrealistisch und weltfremd sowie ebenso menschenverachtend. Tierhaltung gehört seit zehntausenden von Jahren zu einem wesentlichen Bestandteil der menschlichen Existenz. Die Menschheit hat den Tieren sehr viel zu verdanken und ihnen gegenüber auch eine Verpflichtung wie auch Verantwortung. Daran ist zu arbeiten, nicht an deren Bevormundung. Heute haben Tiere einen noch wichtigeren Stellenwert in unserer Kultur als je zuvor. Wenn man das verbietet, so nimmt man den letzten Bezug zur Natur für viele Menschen. Damit tut Ihr dem Naturschutz einen Bärendienst. Denn wenn man keine Tiere halten darf, kann man von ihnen, über sie und durch sie nichts mehr lernen und erfahren. Dann kennt man sie nicht und was man nicht kennt ist auch egal. Dann wird die Welt noch rasanter zerstört. Denn diese Tierfreunde, die etwas vom Tier wissen, halten noch dagegen.

Meine Haltungsvorstellungen sind nur utopisch für Leute, die sich verweigern. Für solche, denen ihr Tier etwas wert ist, optimieren! Und das allein ist schon vieles wert.

Ihr seht nur die traurigen Beispiele. Von den Vorzeigeobjekten habt Ihr anscheinend überhaupt keine Kenntnis. Das ist so wie einer, der immer nur in seiner Bude hockt, der weiß nichts vom großen Himmel, dem weiten Meer und den imposant aufragenden Bergen. Da schaut Ihr die Soap Operas und glaubt, das sei das wahre Leben. Wie viele Millionen Papageien werden gehalten - mehr oder weniger großzügig? Wie viele Tausend davon leiden unter ihren Haltern? Und wegen denen wollt Ihr die Haltung von Papageien grundsätzlich verbieten anstatt es eben jenen zu verbieten, wenn jene sich schon nicht helfen oder belehren lassen. Mir oder jemanden wie Jens wird das dann auch verboten. Dagegen wehre ich mich.

Damit habe ich aber wirklich genug lamentiert. Ihr werdet es nicht akzeptieren, das ist mir schon klar.

Ich habe am Anfang einen sehr konstruktiven und informativen Bericht eingestellt. Ich arbeite an einer Entwicklung und Verbesserung von Standards, die Ihr einfach wegwischt mit Eurer Pauschalverdammung. Dieses kleine Sätzchen hab ich für Euch exklusiv hingeschleudert. Pauschalverdammung ist für mich nicht drin!

10

Montag, 19. Dezember 2016, 14:01

Es gibt eine Lösung für alle Probleme

Wenn man nun Papageien alle unter Artenschutz stellt, mit Cites, Fotodokumentation. Einen Führerschein und die Erlaubnis durch eine Behörde für die Abhaltung benötigt. Was passiert dann? Wir sehen es doch bei den sogenannten Kampfhunden. Ein Auslaufmodell ist es nicht. Aber deutlich kostenintensiver, damit nur gewissen Menschen möglich diese zu halten.

Das Abgabe eines Papageienjungtieres ginge nur nach Behördenerlaubnis. Das wiederum sollte die Begehung der neuen Anlage beinhalten. Natürlich zu Lasten des neuen Halters. Das wiederum erlaubt nur Menschen die Haltung von diesen Tieren, die alles dafür tun, daß es Ihnen gut geht. Wer 6000 oder mehr Euro in eine Artgerechte Haltung investiert um einem Grossara wenigstens 10m Flugstrecke zu ermöglichen, der scheitert nicht an wenigen Hundert Euro für die Genehmigung.

Nur die Preise verfallen immer mehr. Amazonen für 250 Euro, GB Ara 600 Euro. Das sind Kampfpreise. Kaum einer glaubt einem was ein Tierarztbesuch kostet, Papageien sind keine Hamster oder Meerschweine. Nur bei diesen Preisen der breiten Masse zugänglich im Kauf, aber wehe es passiert etwas.

Aufklärung ist wichtig, aber ein generelles Verbot ist falsch. Vor allem, die Halter, die der Arterhaltung dienen, denen macht man einen Strich durch die Rechnung.
Ich finde aber schon, die Haltung von Exoten erfordert mehr Kontrolle. Aber die Ämter sind ja bereits mit der Kontrolle von Nutzvieh überfordert, wenn jetzt noch Exotenhaltung kontrolliert werden soll, dann ist Ende.

Nebenbei bemerkt ist nicht jeder Papageienbesitzer ein Papageienhalter. Halter hat was mit Haltung zu tun. ;)
3+1 Grossara, 2 Blaustirnamazonen, endlos viele Schildkröten aller Arten und Größen.

alfriedro

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Montag, 19. Dezember 2016, 18:31

Nur um meine Forderung noch zu unterfüttern: Ich sehe, dass Drigor Schildkröten hält. Schildkröten sind sympathische Tiere und wurden früher gerne an Kinder verschenkt. Man kann sich ausmalen, wohin das führte. Es scheint vielen so, als ob Schildkröten leicht zu halten wären. Dem ist nicht so. Es ist sogar sehr teuer. Schildkröten gehören ebenso wenig nach Deutschland wie Papageien. Es haben schon viele Schildkröten leiden müssen und ihr Leben unglücklich beendet. Viele Schildkröten, vornehmlich Rotwangenschmuckschildkröten, werden in der Natur entsorgt. Deren Import ist deswegen inzwischen verboten. Deren Haltung und Zucht nicht, sie wird aber streng überwacht. Um einige wenige Schildkröten halten zu können braucht man einen erheblichen technischen Aufwand, insbesondere für Wasserschildkröten: ein Außengehege, bei Unverträglichkeiten auch mehrere, ein Innengehege, bei Schildkröten der gemäßigten Breiten eine Lösung für eine gesicherte Winterruhe. Die Kosten für die Haltung einer einzigen Schildkröte geht Summa summarum in die Tausende. Kein seriöser Schildkrötenhalter scheut sich vor den Mühen und Kosten. Das ist ein Argument dafür, dass Schildkrötenhaltung nicht nur möglich sonder bei gebotener Sorgfalt sogar erwünscht ist. Denn die Erfahrungen und Kenntnisse jener Schildkrötenhalter ist unbezahlbar. Die Nachzuchten fließen in Wiederausbürgerungsprojekte. Ohne die sachgerechte Haltung und gezielte Vermehrung wäre die Europäische Sumpfschildkröte in Deutschland verschollen. Jetzt werden sie an vielen Stellen wieder angesiedelt, was ebenfalls ein riesiger Aufwand ist. Was hier möglich ist, ist anderswo auch möglich. Nur muss es gefordert werden. Für die Schildkrötenhalter, wie auch für fast alle, ist das Wohl des Tieres Ehrensache.

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Samstag, 24. Dezember 2016, 18:01

Hallo Alfriedro,

mir fehlt zwar eigentlich die Zeit, aber es ist mir wichtig...

Es ehrt Dich auf jeden Fall, dass Du Dir so viele Gedanken machst -damit hast Du den meisten Vogelhaltern, die einfach nur gedankenlos vor sich hin halten, schonmal etwas entscheidendes voraus-, aber diese sind, wie ich Dir schon mehrfach schrieb, einfach nur utopisch.
Jedenfalls was Papageien betrifft...
Bei den Finken und ähnlichen kleinen Vogelarten mögen sie ja evt. funktionieren, denn es fängt schon bei den meist völlig anderen Vorstellungen und Motivationen an...
Weißte, mit `ner Gouldamadine in der Wohnzimmerecke kannste nicht groß angeben, so wunderschön ich diese auch finde, aber mit `nem imposanten Ara schon, verstehste?!
Also will man das "Vorzeigeobjekt" schonmal nicht irgendwo draußen verstecken, sondern eben herzeigen, und zwar das Objekt selber, nicht (s)eine artgemäße Umgebung, die sich in einem herkömmlichen Wohnzimmer eh nicht verwirklichen ließe.

Aber okay, gehen wir davon aus, die Motivation stimmt, man will den Großen tatsächlich so gut wie möglich so halten, dass man seiner Art und seinen Bedürfnissen einigermaßen gerecht wird...
Ich schrieb Dir schonmal, woran das dann in der Regel scheitert, erinnerst Du Dich?!
Also bei uns jedenfalls war und ist die Motivation "papageienzentriert", aber was hat es uns gebracht?
Wir scheitern seit inzwischen schon so vielen Jahren an allen möglichem Behördenkram!!!
Nicht nur, was die Imissionen betrifft -selbst ein Nachbar in 3-400 Meter Entfernung ist noch zu nah :pillepalle: -, sondern vor allem auch bauplanrechtliche Vorschriften sprechen einfach dagegen.
Klar, das Geld spielt ebenfalls eine große Rolle, will man mehr als eine Handvoll Papageien so halten, wie es wünschenswert wäre, kostet das ordentlich was!!!
Aber wir hätten z.B. vor ein paar Jahren ein mehr als 1000qm großes Objekt (innen) mit über 10.000qm Außenbereich für unter 100.000€ haben können -ein Traum an Platz und ein absolutes Schnäppchen, auch wenn wir für den Unterhalt wohl auf Spenden angewiesen gewesen wären, aber das Risiko wären wir eingegangen.
Woran ist das gescheitert???
Tja, wie gehabt an Verwaltungsvorschriften = Tierhaltung generell verboten in diesem "Sondergebiet"!
Ach usw...., oft ist der sog. "Außenbereich" schuld, der nicht bebaut werden darf, aber ich will hier mal aufhören...
Doch ich denke, so geht es sehr vielen "Willigen", dass sie entweder an den Nachbarn scheitern oder an den Behörden oder eben, wie wir, an beidem.
Frag mal auf den verschiedenen Bauämtern nach, wo man z.B. eine Aravoliere in der (von Dir für 1 Paar vorgegebenen) Größe von 300qm errichten darf!
Bei 4 Aras -was sehr wünschenswert wäre, besser noch 6-8-xx!!!- wären das schon 600qm bzw. 900/1200-xxxxqm, geht man von einem "Pro-Vogel-Gewicht" in Höhe von 1000g aus...
Die Flugstrecke müsste dabei übrigens 800-1600m lang sein bei einem Paar -bei mehreren Paaren entsprechend länger-, was in der Realität ebenfalls kaum denkbar ist...
Es wäre super, keine Frage!!!
Aber wo realisierbar????????
Bei Amazonen und Grauen sind die Dimensionen zwar etwas kleiner, aber leider immer noch recht unrealistisch...

Was übrigens mal ernsthaft angedacht werden sollte, ist die Idee von Elisabeth/aglaia, dass sich Papageienhalter zusammentun sollen, denn gemeinsam ist sowas, wenn auch immer noch schwierig genug, aber doch eher zu bewerkstelligen, sowohl finanziell als auch, was die Behörden betrifft (hoffe ich wenigstens).
Jedoch scheitert dies wiederum, fürchte ich, an anderen Dingen...

Lieb`s Grüßle :thankyou: Ursula

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Donnerstag, 29. Dezember 2016, 18:25

Hallo Ursula,

wegen der Größe einer Aravoliere bin ich bei 50 bis 100 Meter, pro 10 g Vogel 1,5 qm wären beim 1000g-Ara 150 qm, bei einer Familiengruppe von sagen wir 5 wären es 450 qm (ein durchschnittliches Gartengrundstück, sehr kleine Grundstücke freier EFH haben mindestens 250 qm, das könnte für Amazonen passen), wobei man mit einer 50-Meter-Voliere von vielleicht 10 Meter Breite schon bei 500 qm landet. Damit würden Aras, glaube ich, schon glücklich. Damit könnte man vor Freunden auch viel besser protzen, als mit einem gerupften Hühnchen an der Kette. Ein Ara ist ganz ohne Zweifel nichts für die Wohnzimmerecke, da sind wir völlig übereinstimmig. Ein Kranich (noch viel lauter als Aras) natürlich auch nicht und keiner käme auf die Idee, Gänse oder Enten in einer Wohnzimmerecke zu halten. Wohnzimmerecke ist einfach nicht. Selbst einem Wellensittich bietet man da schon mehr Komfort, was das Platzangebot anbelangt (von den Proportionen aus betrachtet).

Ja, da gibt es dann Probleme mit Geräuschen und Behörden. Aber das ist offenbar ein lokales Problem, denn anderswo kann es schon ganz anders sein. Bei meinen vielen Kongressen, die ich besuche, gab es schöne Beispiele, wie z.B. eine Kranichvoliere, die ich einmal auf einer GTO-Tagung kennengelernt habe.

Nun, wenn man die angemessenen Bedingungen nicht herstellen kann, kann man weder Kraniche, Enten noch Aras halten. Man muss das einfach fordern. Aber diejenigen, die das können, sollen es dürfen. Meine Meinung. Wenn solche stillen Wesen, wie Schildkröten, denen man weniger Leidensfähigkeit zubilligt als Vögeln, derartige Mindeststandards gestellt bekommen, dann ist das nur konsequent, wenn die Papageien diese Mindeststandards bekommen.

Was die Kosten anbelangt: Tja, wat muss, dat muss. :grin: Bei einer Gruppe von Aras im Sachwert von sagen wir 10.000 € sollte eine Voliere von 40.000 € kein Hindernis sein, gell?

Was das Zusammentun anbelangt, da krankt es in der gesamten Vogelhalterszene. Da habe ich gewisse Verständnisschwierigkeiten. Vogelhaltung könnte wesentlich effizienter und qualitativer sein, wenn sich die Vogelhalter mehr austauschen und auch als Lobby zusammen tun würden. Diejenigen, die eine Lobby haben, sind Standardwellensittichzüchter und Positurkanarienvogelzüchter, deren Ausstellungswesen und Zuchtziele mehr als umstritten sind. :dash:

Grüße, Alex

14

Freitag, 30. Dezember 2016, 19:25

Eine wunderbar aufklärende Dokumentation mit dem Inhalt:
Papageien gehören keinesfalls in die Gefangenschaft:


"Akte Papagei
Unvergessliche Doku über das Schicksal von Papageien

Dokumentation, Magazin, Dokumentarfilm / Vereinigte Staaten von Amerika 2013

Papageien besitzen eine exotische Schönheit, ungeheure Intelligenz und erstaunliche Sprachkenntnisse.
All diese Merkmale haben sie zu einem der beliebtesten Haustiere der Welt gemacht.

Doch im Gegensatz zu Katzen und Hunden sind Papageien nie domestiziert worden.
Die Dokumentation zeigt, dass die Tiere mit ihrem einzigartigen Geplapper und ihrem unvorhersehbaren Verhalten
für ein Leben im Regenwald, und nicht in Gefangenschaft geschaffen sind.

Papageien verfügen über ein komplexes emotionales Innenleben, bauen intensive soziale Verbindungen
zu ihren Artgenossen auf
und können bis zu 80 oder 90 Jahre alt werden.
Das Schicksal von in Gefangenschaft lebenden Papageien ist meist traurig,
denn oft benötigen sie mehr Aufmerksamkeit als ihr Halter erübrigen kann und enden schließlich im Tierheim.

Papageienbesitzer und -züchter, aber auch Naturschützer und Biologen erzählen ihre Geschichte
und die ihrer Papageien in dieser unvergesslichen Dokumentation über das Schicksal von Papageien."

Quelle



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Sonntag, 1. Januar 2017, 12:49

Danke Heidrun!

Zwar hätte ich schwören können, ich habe diesen faszinierenden Film auch schonmal eingestellt, aber anscheinend doch nicht... :wseufzer:

Der Schluss ist ja das beste dran.
Genau das wünsche ich allen Papageien, aber für die wenigsten wird es Wirklichkeit werden -werden können.
Allerdings bleibt eh ein ungutes Gefühl: was, wenn diese glücklichen, privilegierten Aras schon bald wieder im Netz der Vögelfänger landen und dann doch ein elendes Dasein im Mini-Rundkäfig oder gestutzt in der Wohnzimmerecke verbringen müssen, nach all der Mühe und dem riesigen Aufwand????????????????
Ist doch echt zum Kotzen, das!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :uebel: :uebel: :uebel:

Besonders ans Herz gehen auch die Szenen, einmal mit den Amas und einmal mit den Kakadus.
Wie die Ama schrie, als man ihr den neu gewonnenen Freund nahm -furchtbar und sowas von herzzerreißend!!!
Wer das sieht, kann doch einen Papagei, egal welcher Art -denn diese Sehnsucht nach Artgenossen gilt natürlich für alle!!-, nicht mehr alleine halten, oder???!!!
Sollte man jedenfalls meinen... :S
Auch die beiden Kakadus..., so rührend.
Selbst wenn dann die sonstigen Bedingungen nicht ideal sind..., zu zweit lässt sich alles viel leichter ertragen.

Lieb`s Grüßle :thankyou: Ursula

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Sonntag, 1. Januar 2017, 13:15

Noch kurz zu Alex...

Hierzu...

Zitat

(...) 450 qm (ein durchschnittliches Gartengrundstück, sehr kleine Grundstücke freier EFH haben mindestens 250 qm, das könnte für Amazonen passen) ...


...wurde mir vom Bauamt sehr deutlich gemacht, dass so etwas nicht genehmigt werden kann, weil ein Grundstück nur bis zu einem gewissen Prozentsatz -der wohl unterschiedlich ist, aber niemals 100%, auch nicht annähernd- bebaut werden darf.

Wenn man das machen will, am besten erst garnicht fragen und hoffen, dass es keiner den Ämtern verpfeift.
Ansonsten ist es mehr als wahrscheinlich, dass dieses Vorhaben von vorn herein abgelehnt wird.
Im anderen Fall riskiert man natürlich, dass es irgendwann auffliegt und man dann `n Haufen Kohle für nix verballert hat...

Ich kann ja kaum glauben, dass ich das überhaupt schreibe, war früher immer der Meinung, am besten alles korrekt laufen zu lassen.
Allerdings hatte ich damals nicht die geringste Vorstellung davon, was das alles beinhaltet und mit welch großen Schwierigkeiten -ja Unmöglichkeiten- man`s zu tun bekommt... :dash:

Alternative...
Wir tun uns mal endlich alle -oder jedenfalls viele- zusammen, und starten noch einmal eine Petition zu diesem Thema!
Ich habe das vor vielen Jahren ja mal im Alleingang versucht, was natürlich abgeschmettert wurde, weil angeblich "als Einzelfall nicht von öffentlichem Interesse"! :wayne:


Apropos..., Alex, wolltest Du nicht mal einen Vortrag halten (o.ä.), wozu ich Dir Material zur Verfügung gestellt hatte?
Hab nie wieder was gehört von Dir diesbezüglich... ?(

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Sonntag, 1. Januar 2017, 19:32

Apropos..., Alex, wolltest Du nicht mal einen Vortrag halten (o.ä.), wozu ich Dir Material zur Verfügung gestellt hatte?
Hab nie wieder was gehört von Dir diesbezüglich...


Ich habe einen Essay zum Thema Tierethik geschrieben. Ich meine, Du hast ihn redigiert.

Das Traurige an der Papageienhaltung ist, dass man diesen Vogel auf Wohnzimmerecke reduziert. Ich habe ja extra das Beispiel Kranich genannt. Kraniche sind mitnichten weniger anspruchsvoll, unsozialer oder unintelligenter als Papageien. Dabei sind sie aber wesentlich größer. Man kann sie schlecht auf der Schulter herumtragen. Die Sprachbegabung fehlt ihnen. Aber sie sind wirklich sehr laut. Wenn es möglich ist für Kraniche etwas herzurichten, so ist es allein von der Größe und Lautstärke her durchaus möglich auch für Papageien etwas herzurichten. Und ich bin sehr sicher, dass Papageien nicht mehr leiden als Kraniche.
Mit der Aussage, Papageien gehören nicht ins Wohnzimmer geschweige denn in die Küche, gehe ich mit Euch 100% konform, abgesehen von Krankheitskuren.

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